Druckversion

Bensheim - Hauptstrasse 65

Joseph „der Jude“, kaufte 1658 günstig zwei ältere hintereinander stehende Fachwerkhäuser, die durch die Zeitläufte in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Das ältere Fachwerkhaus stammte aus der Gotik, das jüngere aus der Renaissance. Aus beiden Häusern erbaute er 1670 ein neues Haus im barocken Stil. Die älteren Baustile sind jedoch an einzelnen Bauteilen noch gut erkennbar. Die gotischen Fensterfassungen finden sich an der Giebelseite zur Mantelgasse, während der „Eselsrücken“, der geschnitzte Eckpfosten, und das Zierfachwerk der Renaissance entstammen. Entsprechend den beiden Vorgängerbauten befinden sich unter dem heutigen Fachwerkbau ein größerer und ein kleinerer Keller mit Tonnengewölbe. Das zur Hauptstraße gelegene Haus gehörte 1579 Nickel Hofmann und später seinem Schwiegersohn Hans Jäger. Das hintere Haus gehörte zur gleichen Zeit Adam Herbert. Bald nach 1600 war Endres Hartnagel und um 1640 sein Schwiegersohn Christoph Widtmann Besitzer des vorderen Hauses, während das hintere Haus von der Witwe des Jakob Sonebron 1655 an Hans Konrad Brettel, Metzger und Ratsbürgermeister in Bensheim, verkauft wurde. Um 1657 kaufte Christoph Widtmann auch das hintere Haus und verkaufte beide 1658 für 280 Gulden an Joseph „der Juden“.

1697 war Leonhard Hessel, aus Trösel im Odenwald, Besitzer des Hauses. 1733 erwarb es der Metzger Mathes Henrich mit seiner Frau Katharina. Nach einem anhaltenden sozialen Niedergang wanderte die Familie des Sohnes Mathes Henrich d.J. nach Ungarn aus. Schon 1749 war das Haus Hauptstraße 65 an Johannes Schlink verkauft worden. Die Folgebesitzer hießen alle Johannes Schlink, bis das Haus 1826 an Johannes Müller IV aus der Bensheimer Gerbereifamilie verkauft wurde. Dieser begründete die Linie der „kleinen Müller“, die in dem Haus einen „Colonial- und Material-Waaren-Laden“, eine Drogerie und einen Südfrüchtehandel (Eduard Müller) und 1967 eine Gastwirtschaft einrichteten. 1977 erwarb die Sparkasse Bensheim das Gebäude und ließ es vollständig neu aufführen. Zusätzlich wurde das Gebäude rückseitig durch einen zweigeschossigen Anbau ergänzt. In der Unterkellerung des Anbaus fanden großzügige Magazin- und Sozialräume ihren Platz. Im Jahre 2004 fand das Institut für Personengeschichte hier ideale Voraussetzungen für seine Sammlung und seine Arbeit.