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Heinrich Pantaleon

Heinrich Pantaleon (* Basel 13. 7. 1522, + Basel 3. 3. 1595), dessen Portrait die Website des Instituts schmückt, lebte als Arzt und humanistischer Gelehrter in Basel. An der Universität unterrichtete er als Professor in den Fächern Dialektik, Physik, Geschichte und Theologie. Er verfaßte zahlreiche historiographische Werke, wofür ihn Kaiser Maximilian II. zum "Poeta Laureatus" und auf dem Reichstag in Augsburg 1566 zum "Comes Palatinus" ernannte. Ein Diplom, das Pantaleon auf dem Reichstag zu Speyer am 17. Juli 1570 erhielt, erweiterte nochmals seine Befugnisse.

1565 erschien in Basel bei Niclaus Brylinger unter zahlreichen anderen Tugendbüchern von Heinrich Pantaleon dessen „Prosopographiae heroum atque illustrium virorum totius Germaniae, pars prima. In hac personarum descriptione omnium tam armis et autoritate, quam literis & religione totius Germaniae celebrium virorum Vitae...“. Mit diesem Werk legte Pantaleon eine bedeutende „Prosopographie“ innerhalb der neuzeitlichen Historiographie vor. Pantaleon lehnte sich in der lateinischen Fassung an die von ihm rezipierten Werke der griechisch-römischen Klassiker an, die die Bezeichnungen wie Catalogus, Libellus, Compendium trugen. Als Autoren waren für ihn Flaccius Illyricus, Trithemius, Bale, Foxe und Giovio wichtig.

Freilich erschien in lateinischer Sprache keine weitere Auflage, vielmehr veröffentlichte Pantaleon 1567 und dann in mehreren weiteren Auflagen eine deutsche Fassung unter dem Titel „Teutscher Nation Heldenbuch...“. Hier verzichtete er ebenso im Titel wie im Text auf die „Prosopographie“.

 

Der Verzicht auf den Begriff der Prosopographie in der deutschen Ausgabe wird deutlich, wenn er in der Einleitung der lateinischen Auflage schreibt (p. 3): „Ut autem commodius illustrium Germaniae virorum Prosopographia intelligatur, ab initio statim hujus operis Germaniae situm & magnitudinem proposuit...“ und in der deutschen Fassung übersetzt: „Inn dem anderen buch werden die Teütschen beschriben welliche von dem grossen Keyser Carolo biß zu deß ersten Keyser Maximiliani zeiten sibenhundert jarlang ... ihr vatterland mit viel tugendten bezieret.“

In der lateinischen Ausgabe von 1565 findet sich auf S. 560-565 eine autobiographische Notiz Pantaleons über sich selbst: „Heinricus honestis parentibus natus est Basilee. idibus Iunij, anno 1522. Cum autem eo tempore Euangelij doctrina passim publicaretur, atque pater eius Christianus Pantaleon ardentissimis uotis eam amplecteretur, literis ipsum imbui à teneris statim annis curauit, ita ut Heinricus postea saepius fassus sit, sese nescire quo tempore & quomodo prima literarum fundamenta iacerit, cum & loqui & legere una fere coeperit. Cum autem postea 1529 Basileae Ecclesia reformaret, atque Ioannes Sphyractes Scholae S. Petri praeficeretur, eodem praeceptore usus Latinae & Graecae Grammaticae rudimenta didicit...”

Unter dem Portrait, das sich auch in der deutschen Ausgabe findet, steht: „In Effigiem Doctissimi et Clarissimi Historici D. Heinrici Pantaleonis, Medici & Physici Basiliensis, Carmen Valentini Cherleri Elsterbugensis, Ludiliteratij apud Basilienses moderatoris.“

 

Heinrich Pantaleon heiratete in Basel, St. Martin, 19. 2. 1545 Cleopha KOESY, + Basel 1598, Tochter des Johannes KOESY in Basel. Am 2. 12. 1594 feierte er mit seiner Gemahlin das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus der Ehe gingen vier Söhne und acht Töchter hervor, darunter Christina (* 1548; verheiratet mit Valentin CHERLER), Johannes Heinrich (* 1558), Sibylla (* 1563; verheiratet mit Johann Jakob FREY) und Maximilian (* 1583).

Quellen und Literatur:
Heinrich Pantaleon hat die beiden Privilegien und die Namen der von ihm ernannten Dichter, Notare und der Legitimierten in einer Matrikel eigenhändig festgehalten: Universitätsbibliothek Basel Ms. O II 12.
Akte "Heinrich Pantaleon" im Nachlaß Jürgen Arndt, Institut für Personengeschichte, Bensheim.
Johann Rud.
HANS BUSCHER, Heinrich Pantaleon und sein Heldenbuch, (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft, Bd. 26), Basel 1946, u.a. S. 46-47, 122.
PETER P. ROHRLACH, Heinrich Pantaleon, in: Hofpfalzgrafen-Register, Bd. 1, Neustadt a.d.Aisch, 1964, S. 113-129.
MANFRED STROHMEYER, Merian-Ahnen aus dreizehn Jahrhunderten, Konstanz, Jan Thorbecke, 1963, Bd. 2, S. 649-652.

L. v. Lehsten